Prozessmanagement existiert hier nur im Titel der Mitarbeiter

Prozessdokumentation scheitert selten an fehlendem Wissen. Trotzdem geht sie in den meisten Unternehmen schief, und das fast immer aus denselben fünf Gründen. Der folgende Beitrag erzählt von einem ganz normalen Montagmorgen beim Kunden und zeigt daran, woran Prozessprojekte wirklich hängen: an der Lücke zwischen Methodik und Alltag, an verteiltem Wissen und vor allem an der falschen Reihenfolge. Denn wer von oben ein fertiges Modell überstülpt, verfehlt die Realität. Der Weg führt andersherum: erst sichtbar machen, was tatsächlich passiert, dann Struktur geben, dann verfeinern.

Jonas Neubauer

Co-Founder & CGO

Eine Geschichte aus dem Leben eines Consultants – und die fünf Gründe, warum Unternehmen an der Dokumentation ihrer Prozesse scheitern.


9:30 Uhr, Montagmorgen. Check-in und Security laufen reibungslos, bis zum Boarding bleibt noch eine Stunde. Genug Zeit, um vor dem Abflug zum Kunden noch einmal kurz zu prüfen, wo das Prozessmanagement dort eigentlich steht – und wo wir mit dem Verbessern anfangen sollten.


Ein Blick in die bereitgestellten Unterlagen reicht. Prozessmanagement existiert hier nur im Titel der Mitarbeiter. Zwischen drei Word-Dokumenten finde ich ein einzelnes Visio-Dokument, eine Ebene darüber eine Excel-Liste mit einer „Übersicht aller dokumentierten Prozesse". Das Visio-Dokument enthält ein Flowchart auf genau einer Flughöhe: Kunde meldet sich → wir bedienen den Kunden → Kunde ist zufrieden.


Na super, denke ich. Dann fangen wir eben bei null an.


Das ist kein überspitztes Beispiel. Das ist die Regel.


Man könnte meinen, so etwas passiert nur in kleinen Betrieben. Tatsächlich gilt es genauso für große Unternehmen bis hin zu Konzernen. Besonders Organisationen, die in einzelnen Bereichen exzellent dokumentieren – weil es zum Kern ihres Geschäftsmodells gehört –, vernachlässigen ihre Prozesse anderswo komplett.


Die Produktion läuft auf die Millisekunde optimiert und reibungslos. Das Onboarding eines neuen Mitarbeiters dagegen sieht von Kollege zu Kollege anders aus, und manch einer hat nach zwei Wochen noch immer keinen eingerichteten Laptop.


Warum tun sich Unternehmen so schwer mit der Dokumentation ihrer Prozesse? Eigentlich ist der erste Schritt denkbar einfach: Es geht zunächst nur darum, festzuhalten, was ohnehin jeden Tag passiert. Noch nicht um die Konzeption eines Idealbilds – nur darum zu beschreiben, was ist.


Und doch scheitert es genau hier. Aus unserer Erfahrung an fünf wiederkehrenden Problemen: am Übersetzungsproblem zwischen Methodik und Alltag, am verteilten Wissen in der Organisation, an einer falsch verstandenen Reihenfolge bei der Erfassung, an totem Dokumentations-Output und an unrealistischen Erwartungen beim Reifegrad. An vielen dieser Punkte können die Unternehmen selbst wenig ändern, weil schlicht das passende Angebot im Markt fehlt, das ihre Probleme wirklich löst. Bis jetzt.


Problem 1: Das Expertise-Problem – wer Prozesse versteht, kennt selten den Alltag


Prozessmanagement scheitert selten daran, dass Mitarbeiter ihre eigene Arbeit nicht kennen. Es scheitert daran, dass sie sie nicht in der Form ausdrücken können, die Methodiker erwarten.


Auf der einen Seite stehen die Prozessexperten: Sie denken in Swimlanes, BPMN-Notation, RACI-Matrizen und Referenzmodellen. Sie wissen, wie man sauber dokumentiert – aber nicht, was im Tagesgeschäft einer bestimmten Abteilung tatsächlich passiert. Auf der anderen Seite stehen die Menschen, die die Arbeit jeden Tag machen. Sie kennen jede Ausnahme, jeden Workaround, jeden inoffiziellen Zwischenschritt – aber sie sprechen nicht die Sprache der Notation.


Sobald der Experte dokumentiert, entsteht ein Modell, in dem sich die Mitarbeiter nicht wiederfinden. Sobald die Mitarbeiter selbst dokumentieren, entsteht ein Flickenteppich ohne gemeinsame Struktur. Zwischen beiden Welten klafft eine Übersetzungslücke – und genau diese Lücke ist der eigentliche Engpass jedes Prozessprojekts.

BLIKS IO kommuniziert in natürlicher Sprache und hebt diese Barriere auf. Die Mitarbeiter beschreiben ihre Arbeit so, wie sie sie kennen – die Methodik liefert die Software.


Problem 2: Dezentrales Wissen sinnvoll zentralisieren


In einem Unternehmen mit mehreren hundert Mitarbeitern besitzt niemand mehr das vollständige Bild. Das Wissen über die echten Abläufe steckt großteils in den Köpfen und ist über einzelne Personen, Abteilungen und Systeme verstreut. Die entscheidende Frage lautet deshalb gar nicht zuerst „Wie sieht der Prozess aus?", sondern „Wen muss ich überhaupt fragen – und in welcher Reihenfolge?".


Der klassische Weg führt über Workshops und Einzelinterviews. Das ist langsam, teuer und unvollständig, und das Ergebnis hängt davon ab, wer zufällig im Raum sitzt und wie gut diese Person an dem Tag formuliert. Wer eine ganze Organisation erfassen will, braucht keine Sammelaktion ins Blaue, sondern eine Logik, die das Wissen systematisch bei den richtigen Trägern abholt und sinnvoll zusammenführt.

BLIKS IO liefert diese Logik direkt aus der Box, verbindet die Wissensträger algorithmisch und macht das Capturing zum steuerbaren Projekt statt zur Zufallssammlung.


Problem 3: Komplexität entflechten – ohne dass es belanglos wird


Hier scheitert der Visio-Flow vom Anfang. Viele Unternehmen stülpen sich Top-down ganze Prozessketten oder fertige Referenzmodelle über und glauben, schon bei der ersten Erfassung mappen zu müssen, wo ihre Schritte in dieses vorgefertigte Raster passen. Das ist einer der häufigsten Fehler im Prozessmanagement: Man mappt, bevor man verstanden hat, wo man eigentlich steht.


Die richtige Reihenfolge ist umgekehrt. Zuerst muss das wahre IST sichtbar werden – nicht das, was eine Schablone vorgibt, sondern das, was tatsächlich passiert. Dafür eignet sich die Aktivitätsebene, im Prozessmanagement oft als Level 3 der Prozesspyramide bezeichnet. Sie ist der Sweet Spot: Auf Aktivitätsebene ist die Information greifbar statt abstrakt – und gleichzeitig nicht in einem Detailgrad verloren, den niemand mehr pflegen kann.


Erst wenn die einzelnen Aktivitäten eines Prozessflusses sauber visualisiert sind, lassen sich die Flows zu Prozessketten verbinden. Und erst danach heftet man an jede Aktivität eine genaue Beschreibung, wie sie in der Realität abläuft – bis hin zum Klickpfad. Aber eben erst, nachdem der Flow steht. Wer diese Reihenfolge umdreht, baut ein beeindruckendes Modell, das mit der Wirklichkeit wenig zu tun hat.

BLIKS IO geht genau in dieser Reihenfolge vor: erst das echte IST auf Aktivitätsebene, dann Verknüpfung, dann Detailtiefe.


Problem 4: Prozesse sind kein Selbstzweck


Das beste Dokument bringt nichts, wenn es am Ende als Artefakt den Aktenordner von innen schmückt. Genau das ist das übliche Schicksal von Prozessdokumentation: In dem Moment, in dem sie fertig ist, fängt sie an zu sterben. Sie liegt als PDF, Visio-Datei oder Word-Dokument in einem Ordner, ist nach wenigen Wochen veraltet, wird nie wieder geöffnet und fließt in keine einzige Entscheidung ein.


Dabei ist das Dokument nie der Zweck. Der Zweck ist die Fähigkeit, der eigenen Organisation Fragen zu stellen: Wo sind die Engpässe? Welches System wird in welcher Abteilung eingesetzt? Wer ist ein Single Point of Failure? Was passiert, wenn ein Schritt wegfällt oder sich ein System ändert? Statische Artefakte können diese Fragen nicht beantworten. Lebendige, abfragbare Daten schon.

BLIKS IO überführt die gesamte Dokumentation in dynamische Datenbanken, aus denen sich die Organisation jederzeit multiperspektivisch analysieren lässt – statt eines Dokuments, das niemand mehr öffnet.


Problem 5: Reifegrad entwickeln, nicht erzwingen


Eine der häufigsten Fragen, die uns in Erstgesprächen begegnet, lautet sinngemäß: „Ehrliche Einschätzung – wie weit sind wir davon entfernt, diesen Prozess zu automatisieren?"


Die ehrliche Antwort lautet fast immer: weiter, als man denkt. Denn in den meisten Fällen ist über die verschiedenen Bereiche hinweg noch nicht einmal geklärt, was man eigentlich auf gemeinsamer Ebene tut – geschweige denn, dass überall die gleichen Systeme genutzt würden. Über Automatisierung zu sprechen, ist dann weniger ein nächster Schritt als ein visionärer Einfall.


Aber so entstehen diese Erwartungen eben, wenn man Unternehmen nicht die Möglichkeit gibt, ihre Prozessreife schrittweise zu entwickeln, sondern ihnen ständig das Blaue vom Himmel verspricht. Wer immer wieder mit „Wir automatisieren einfach alles, statten es mit KI aus, und schon liegt die Marge bei 90 %" um die Ecke kommt, sorgt dafür, dass es irgendwann geglaubt wird.

Die Wahrheit ist unspektakulärer: Prozessreife entwickelt man langsam, in klaren Stufen.

Erfassen → Verfeinern → Standardisieren → den Standard erhöhen → sich Teilautomatisierungen annähern.


Eine Software, die Unternehmen im Prozessmanagement unterstützt, muss genau diese Entwicklungsstufen abbilden – und nicht erst bei der letzten ansetzen.

BLIKS IO begleitet jede dieser Stufen: vom ersten Prozess-Draft bis zu wirklich automatisierbaren Prozessen.


Und in 90 % der Fälle muss es eben nicht das vollständige BPMN-Prozesschart sein. Oft reicht es zu wissen, wer was macht. Pragmatisch. Nicht die glorreiche Story – aber dafür ehrlich und funktional.


Sie erkennen Ihr Unternehmen in dieser Geschichte wieder? Dann lassen Sie uns darüber sprechen, wo Sie heute stehen – und welcher nächste Schritt für Sie wirklich der richtige ist.

FAQ

Warum scheitern Prozessdokumentations-Projekte so oft?
Sie scheitern meist an fünf wiederkehrenden Gründen: an der Übersetzungslücke zwischen Methodik und Alltag, an verteiltem Wissen ohne Erfassungslogik, an einer falschen Reihenfolge (Mapping vor Verständnis), an totem Dokumentations-Output und an unrealistischen Erwartungen beim Reifegrad. BLIKS IO setzt genau an diesen fünf Punkten an.
Sollte man Prozesse top-down oder bottom-up dokumentieren?
Bottom-up, beginnend beim wahren IST auf Aktivitätsebene. Vorgefertigte Top-down-Schablonen verleiten dazu, Abläufe in ein Raster zu mappen, bevor man verstanden hat, was tatsächlich passiert. Erst wenn die echten Aktivitäten sichtbar sind, lassen sie sich sinnvoll zu Prozessketten verbinden.
Was ist Level 3 der Prozesspyramide?
Level 3 bezeichnet die Aktivitätsebene – die Detailtiefe, auf der konkrete Tätigkeiten eines Prozesses beschrieben werden. Sie ist greifbar genug, um die Realität abzubilden, aber nicht so kleinteilig, dass die Dokumentation unpflegbar wird. Deshalb ist sie der richtige Startpunkt der IST-Erfassung.
Braucht man für die Prozessdokumentation immer BPMN?
Nein. In den meisten Fällen reicht es, klar festzuhalten, wer was macht. Ein vollständiges BPMN-Prozesschart ist nur dort nötig, wo ein Prozess tatsächlich automatisiert werden soll. Für die ersten Reifegrade ist eine pragmatische, verständliche Darstellung wertvoller als formale Vollständigkeit.
Ab wann lässt sich ein Prozess automatisieren?
Erst, wenn er erfasst, verfeinert und über alle beteiligten Bereiche hinweg standardisiert ist – inklusive einheitlicher Systeme. Automatisierung ist das Ergebnis einer entwickelten Prozessreife, nicht ihr Ausgangspunkt. Wer diese Stufen überspringt, automatisiert das Chaos

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